Assam – die Wiege des indischen Teeanbaus

Die natürliche Heimat des Teestrauches ist China. Seit Tausenden von Jahren wird die Kultur des Tees dort zelebriert. Es war also eine Sensation, als 1823 Botaniker bestätigten, dass es sich bei den wilden Sträuchern, die ein schottischer Reisender in der Region Assam entdeckte, tatsächlich um Tee handelte. Die Entdeckung der Camellia assamica markierte den Beginn des Teeanbaus auf dem indischen Subkontinent. Bis heute allerdings streiten sich Pflanzenkundler, welche Teepflanze – die Camellia sinensis aus China oder der sichtlich verschiedene assamesische Teestrauch – für sich das Recht beanspruchen kann, die Ur-Pflanze zu sein.

Die damaligen Teefans in England dürfte diese Auseinandersetzung unter Gelehrten kalt gelassen haben. Sie wollten einfach nur Tee – egal woher. Der Konsum von Tee war rasant gestiegen. Die portugiesische Infantin Katharina von Braganza war diejenige, die Tee in England bekannt machte. Als sie 1662 nach England kam, um mit König Karl II. vermählt zu werden, wollte sie auf ihr gewohntes Getränk nicht verzichten. Was sie trank, dass tranken bald auch die Damen ihres Hofstaates. Ihre Nichte Queen Anne (1665-1714) sorgte wenig später für einen regelrechten Tee-Hype. Was die Oberschicht trank, wollten auch die weniger gut Betuchten in ihren Tassen haben. Aber erst als 1783 die hohen Teesteuern gesenkt wurden, konnten sich Mittelschicht und danach auch die Arbeiterklasse das Heißgetränk leisten, das wohl wie kein anderes als Flaggschiff britischer Trinkkultur wahrgenommen wird.

Die enorme Nachfrage nach Tee ließ die Importe nach England von etwa 50 Tonnen im Jahr 1700 auf 15.000 Tonnen im Jahr 1801 anwachsen. Das Handelsmonopol für Tee besaß die East India Company. Elisabeth I. hatte 1600 eine Gründungsurkunde für diese englische Handelskompanie zur See unterzeichnet. Importiert wurde der Tee aus China. Die Chinesen hatten kein Interesse an ausländischen Waren im Gegenzug, sondern wollten das begehrte Gut nur gegen harte Währung eintauschen, am liebsten gegen Silber. Das aber war auch in England knapp. Findige britische Geschäftsleute der East India Company, mit Sitz in Kolkata, suchten nach anderen Zahlungsmitteln als Ersatz und kamen auf Opium. Sie ließen die Drogen in Indien herstellen und in der Folge avancierte die East India Company in den Jahren zwischen 1830 und 1840 zum weltweit größten Drogenhändler: Drogen im Tausch für Tee sowie Seide und Porzellan. Nach Aufhebung des Handelsmonopols für die Ostindische Gesellschaft überschwemmten noch weitere Händler China mit Opium. Die Folge: Millionen von Chinesen wurden drogenabhängig, was zu weitreichenden sozialen Problemen und einem starken Handelsbilanzdefizit führte.

Der damalige chinesische Kaiser Daoguang erließ ein striktes Einfuhrverbot gegen Opium, beschlagnahmte ganze Schiffsladungen voll Drogen und ging energisch gegen korrupte Hafenbeamte vor. Die britischen Kaufleute beschwerten sich daraufhin bei Queen Victoria und ihrer Regierung. 1840 wurde daraufhin die englische Fernostflotte entsandt und griff den Freihafen Kanton an. Landtruppen rückten über Shangai bis nach Peking vor und stießen auf wenig chinesischen Widerstand. Dieser Krieg wird als der erste Opiumkrieg bezeichnet – Historiker nennen ihn mitunter auch Teekrieg. Er dauerte von 1839-1842, einen zweiten gab es 1856-1860. Am Ende setzten sich die kolonialen Interessen durch. China musste sich dem Druck beugen und seine protektionistische Außenwirtschaftspolitik auf- und Hongkong abgeben.

Doch zurück zum Teeanbau. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts hatten Geschäftsleute der East India Company Anbauversuche von Teepflanzen in Indien unterstützt, mit mäßigem Erfolg. Die Entdeckung wilder Teepflanzen in Assam bewies die Vermutung einiger Botaniker, dass Tee auch in Indien gedeihen müsse. In Goldgräberstimmung suchten nun viele ihr Glück im Teeanbau. Gehandelt wurden die wertvollen getrockneten Blätter damals auf Auktionen. Bereits 1839 wurden die ersten zwölf Kisten Tee aus Assam in London versteigert und begeisterten Makler und Teetrinker gleichermaßen.

Assam gilt heute als das größte zusammenhängende Tee-Anbaugebiet der Welt, dicht gefolgt von Kenia, dem bedeutendstem Land afrikanischer Teeproduktion.